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      Santa Cruz del Islote: Das dichteste Eiland der Welt

      Mitten in der glitzernden Karibik, rund 90 Kilometer vor der Küste Kolumbiens, liegt ein winziges, auf den ersten Blick unscheinbares Eiland, das auf den Karten oft kaum zu erkennen ist: Santa Cruz del Islote. Was diesen Ort jedoch weltberühmt macht, ist nicht seine landschaftliche Schönheit oder touristische Bedeutung, sondern seine unglaubliche Bevölkerungsdichte. Denn Santa Cruz del Islote gilt als die am dichtesten besiedelte Insel der Welt.

      Santa Cruz del Islote
      Santa Cruz del Islote

      Lage und Geografie

      Santa Cruz del Islote gehört zu den kolumbianischen Islas de San Bernardo, einer kleinen Inselgruppe im Karibischen Meer, die zum Departamento Bolívar gehört. Die Insel ist gerade einmal etwa 12.000 Quadratmeter groß – das entspricht ungefähr der Fläche von zwei Fußballfeldern.

      Die Insel liegt in einem warmen, tropischen Klima und ist von kristallklarem, flachem Wasser umgeben. Korallenriffe und seichte Lagunen machen das Meer rund um die Insel biologisch vielfältig, aber auch gefährdet. Von der Luft aus betrachtet, wirkt die Insel wie ein dichter Teppich aus Dächern – kaum ein Quadratmeter ist unbebaut.


      Eine überfüllte Insel: Einwohner und Häuser

      Auf dieser winzigen Fläche leben laut Schätzungen zwischen 800 und 1200 Menschen – je nach Quelle und Zählweise. Damit hat die Insel eine Bevölkerungsdichte, die viermal so hoch ist wie die von Manhattan.

      Es gibt etwa 90 Häuser, die in einem engen Geflecht nebeneinander stehen. Zwischen den Gebäuden verlaufen schmale, verwinkelte Gassen. Privatsphäre gibt es kaum. Viele Familien teilen sich einen einzigen Raum; Kinder spielen auf dem Dach oder an kleinen freien Flächen nahe der Anlegestellen.


      Entstehung der Insel

      Santa Cruz del Islote ist nicht natürlichen Ursprungs. Sie wurde über viele Jahre hinweg künstlich erweitert, indem Korallen, Felsen und sogar Müll verwendet wurden, um die Fläche zu vergrößern. Ursprünglich war es ein Ort, an dem Fischer aus der Umgebung Rast machten. Mit der Zeit begannen einige, dort dauerhaft zu siedeln – angelockt von der Ruhe, dem Fischreichtum und der relativen Sicherheit vor Piraten und Konflikten auf dem Festland.

      Heute leben dort größtenteils afrokolumbianische Familien, viele von ihnen in dritter oder vierter Generation.


      Santa Cruz del Islote
      Santa Cruz del Islote

      Leben auf engstem Raum

      Das tägliche Leben auf Santa Cruz del Islote ist geprägt von Nähe, Zusammenhalt und Einfachheit. Viele der Bewohner leben vom Fischen, insbesondere vom Fang von Hummer, Krabben und Schnappern, die an das Festland verkauft werden. Einige Männer arbeiten auch auf nahegelegenen Inseln in der Tourismusbranche oder als Bootsführer.

      Was es auf der Insel gibt:

      • Eine Schule (bis zur 9. Klasse)

      • Ein Gemeinschaftshaus

      • Ein Restaurant

      • Ein paar kleine Läden

      • Ein Fußballfeld – auf dem Dach eines Gebäudes!

      Es gibt keine Hotels, und Tourismus ist kaum vorhanden – was der Authentizität des Ortes zugutekommt, aber auch wirtschaftlich eine Herausforderung darstellt.


      Versorgung: Wasser, Energie, Nahrung

      Trinkwasser

      Die Insel hat keine eigene Süßwasserquelle. Trinkwasser muss regelmäßig vom Festland mit Booten hergebracht werden – entweder in Kanistern oder Fässern. Regenwasser wird gesammelt, ist aber nicht verlässlich genug, um den Bedarf zu decken.

      Energie

      Lange Zeit war die Insel komplett ohne Strom. Inzwischen wurde sie mit Solarpaneelen ausgestattet, die eine gewisse Grundversorgung sicherstellen. Allerdings ist Strom weiterhin knapp und nicht rund um die Uhr verfügbar. Für Notfälle oder zusätzliche Energie stehen Dieselgeneratoren bereit, die aber teuer im Betrieb sind.

      Nahrung

      Die Ernährung basiert hauptsächlich auf dem, was das Meer hergibt: Fisch und Meeresfrüchte. Ergänzt wird das durch Reis, Hülsenfrüchte, Kochbananen und gelegentlich Fleisch, das ebenfalls vom Festland kommt. Es gibt keine landwirtschaftliche Fläche auf der Insel selbst.


      Was passiert mit dem Müll?

      Ein großes Problem für Santa Cruz del Islote ist die Abfallentsorgung. Auf so kleinem Raum fallen enorme Mengen Müll an – und es gibt kein geregeltes Entsorgungssystem. Müll wird teils verbrannt, teils ins Meer gekippt, was die Umwelt belastet und das fragile Ökosystem gefährdet.

      Zwar gibt es Projekte, um das Umweltbewusstsein zu stärken und Recycling-Initiativen einzuführen, doch logistisch und finanziell ist das eine Herausforderung. Insbesondere Plastikmüll ist ein großes Problem.


      Gesundheit und Bildung

      Es gibt keine Arztpraxis auf der Insel. Bei medizinischen Problemen müssen die Bewohner mit dem Boot zur nächsten größeren Insel oder ans Festland gebracht werden – was bei Sturm oder in der Nacht schwierig bis unmöglich ist.

      Die kleine Schule unterrichtet die Kinder bis zur neunten Klasse. Danach müssen Jugendliche das Festland besuchen, um weiterführende Bildung zu erhalten – was nur den wenigsten möglich ist.

      Fazit

      Santa Cruz del Islote ist kein Paradies im klassischen Sinne – und doch ein wahrer Schatz. Die winzige Insel mitten in der Karibik ist ein Ort der Gegensätze: Schönheit trifft auf Überfüllung, Einfachheit auf Improvisation, und Gemeinschaft auf Isolation. Sie ist ein faszinierendes Beispiel für das Leben in extremer Dichte – ein Ort, den man nicht vergisst, wenn man einmal von ihm gehört hat.

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